Der Inselosten unter dem Mikroskop
Wenn man Dünenlandschaften hört, denkt man gerne an trockenen Sand, der vom Wind verweht wird und in dem es sich schwer gehen lässt. Schaut man aber mal genauer hin, ist das aber oft gar nicht so. Vor allem dort, wo es feucht ist. Auf Wegen, im Schlopp, in Gräben, in Tümpeln. Häufig bilden sich Matten, die auch mal glitschig über den Untergrund rutschen können. Woraus die bestehen, erkennt man unter dem Mikroskop.

Die Blaualgenblüte
Insbesondere an warmen bis heißen Tagen findet man immer wieder Tümpel und Pfützen, die eine hellgrüne Schick auf der Oberfläche zeigen. Das Wasser selbst ist trüb. Ein typischer Fall einer sog. Blaualgenblüte. Eigentlich sind es kleine Cyanobakterien, die sich hier sehr stark vermehrt haben.

Bakterienmatten in Salzwiesen
Dort, wo Salzwasser hinkommt, bilden sich im Laufe eines Sommers tief dunkelgrüne Fladen aus. Die sind ziemlich reißfest und liegen typischerweise auf einem schwarzen Boden. Meist kleben sie am Boden. Aber wenn sie unter Wasser stehen und die Sonne drauf scheint, dann lösen sie sich ab und treiben an die Oberfläche. Algen? Nein.
Vorsicht! Rutschgefahr!

Hell bräunliche Schwebstoffe?
Könnte man meinen. Solche Flocken findet man gerne in flachen Pfützen oder auf feuchten Flächen. Sie liegen auf hellem Sand und sind nicht ganz so reißfest wie die dunkelgrünen Bakterienmatten. Diesmal sind es überwiegend langkettige Kieselalgen.

Weiße Fäden auf schwarzem Schlick
Das sieht man nur selten. Speziell am Schopp bilden sich bei Niedrigwasser dünne weiße Schichten aus, die wie Pilzgeflecht aussehen. Hier handelt es sich aber um Bakterien, die Schwefelwasserstoff mit Sauerstoff zu Schwefel oxidieren. Sie leben an der dünnen Grenzschicht, an der Schwefelwasserstoff (der Geruch fauler Eier) aus dem Boden mit dem Sauerstoff aus der Luft zusammen kommt. Dabei entsteht Schwefel. Schwefel ist gelb? Ja, aber nicht, wenn er in feinsten Tröpfchen vorliegt.

Metallisch glänzende Schlieren
Öl? Öl im Nationalpark? Wie kann das denn passieren!
Keine Angst: Diese schillernden Flächen auf den Pfützen und Gräben bestehen nicht aus Öl. Das ist Rost.
Der Sandboden enthält recht viel Eisen. Dort, wo kein Sauerstoff hinkommt, liegt das Eisen in einer sog. reduzierten Form vor. Die ist relativ gut in Wasser löslich. Diffundiert dieses reduzierte Eisen an die Oberfläche der Pfützen, reagiert es mit Sauerstoff zu Rost. Den findet man nun als dicke, rostrote Schichten auf dem Boden, oder als ganz dünne Filme auf der Wasseroberfläche. Und weil diese Rost-, genau wie die Ölfilme, so dünn sind schimmern sie im Licht in allen Regenbogenfarben.
Rostfilme fließen übrigens nicht wieder zusammen, wenn man sie leicht auseinander bricht.
Bildquellen
- Cyanobakterienblüte Tümpel 10: Rolf
- Bakterienmatte_Salzwiese_Südweg: Rolf
- Kieselalgenmatte_Norderney_Rolf Schauder_10: Rolf
- _1559407-RW2_DxO_DeepPRIME: Rolf
- _1559418-RW2_DxO_DeepPRIME: Rolf
